Lieber Krähwinkelstumpfsinn als stumpfsinnige Demagogen

Von „feinstem Weltgeist und Krähwinkelstumpfsinn“ sei dieses Zeitz schrieb Wilhelm Bartsch in seinem Essay im Buch ZEITZ. DOM – UND RESIDENZSTADT AN DER WEISSEN ELSTER. Ach, bliebe es in dieser Stadt doch bei diesem, zugegeben gelegentlich schwer zu ertragenden, doch wenigstens menschlichen Krähwinkelstumpfsinn. Was aber jüngst an Diffamierungen und Polarisierung in Leserbriefen veröffentlicht wird, das geht über Krähwinkelstumpfsinn weit hinaus. Das trägt schon demagogische Züge. Ungefiltert darf gelogen, behauptet und diffamiert werden.

Der Grund? Zwei berechtigte wie simple Meinungen in der Mitteldeutschen Zeitung zum Verfahren der Auswahl eines Objektes für den Zeitzer Stadtgarten auf der Laga 2018 in Burg. Das Verfahren wohlgemerkt! Zum Objekt von Roland Lindner, der mehr als drei Meter hohen Stele aus Cortenstahl „Zukunft Zeitz“, fiel kein Wort der Kritik. Zwei simple Nachfragen also wurden zum „Zeitzer Zankapfel“ und in der Folge zu haarsträubenden Darstellungen in Leserbriefen bis hin zur Stigmatisierung von Menschen, die anderer Meinung sind.

Als einigermaßen gut im Bilde stehend kann ich solches nicht unkommentiert stehen lassen. Ein Blick auf Leserbriefe und hinter die Kulissen.

Ein gewisser Robert Reichelt will bei den Verfahrenskritikern zunächst „die rostige Vergangenheitsmentalität unserer Stadt“ erkannt haben. Später wird er in seinem Leserbrief den „Kritikern“ unterstellen, sie würden „an altrostigen und dysfunkionalen bzw. vernebelnden Denkmustern“ festhalten und ihnen empfehlen, sie „sollten sich anderen Dingen widmen“. Zuvor bedient sich Herr Reichelt allerdings der Lügen. Halten wir ihm mal Halbwissen zugute, wenn er behauptet durch „die letzte planmäßige Kunstausschreibung der Stadt……..“ seien „….ganz offiziell 80.000 Euro……im berühmten Nebelbrunnen versenkt..“ worden. Es gab weder eine Kunstausschreibung, noch hat der Brunnen 80.000 Euro gekostet. Ach ja, die Sparkasse Burgenlandkreis, lieber Herr Reichelt, ist kein „Privatunternehmen“.
Thomas Kuhlbrodt setzt alsdann noch einen oben drauf, schreibt zunächst von Roland Lindners Objekten als „ein markantes Plädoyer für ein kulturvolles und solidarisches Miteinander.“ Schon im nächsten Satz werden die Kritiker dann aber so angesprochen: „Missgunst und Engstirnigkeit wirken dabei als echte unproduktive Zeitzer Hemmschuhe“.

Das waren Zeiten, als im krähwinkelstumpf-sinnigen Zeitz die Menschen noch solidarisch und kulturvoll miteinander stritten.

„Bilde, Künstler! Rede nicht! Nur ein Hauch sei dein Gedicht!“

Was Goethe mit oben zitierter Aussage meint: tragt in und über Kunstwerke nicht dick auf, redet nicht wie mit dem Holzhammer auf den Betrachter ein. Vor allem aber doziert nicht, macht daraus keine „Verkündigung“ und versucht euch nicht in jener dilettantischen Kunstauffassung, die in jedem Werk Weltanschauung sehen will.

Genau das passiert aber hier. Und jeder, der dem nicht folgen mag oder eine ganz andere Sicht hat, der wird verbal nachgerade nieder gemacht, ist „dysfunktional, altrostig und vernebelnden Denkmustern“ verhaftet. Währenddessen wird Roland Lindner zum Unantastbaren stilisiert. Weiß Wirtschaftsamtsleiter Thomas Böhm wovon er spricht, wenn er ihn öffentlich einen „national und international wahrgenommenen Kulturbotschafter des Burgenlandkreises“ bezeichnet? Weiß Herr Reichelt wovon er spricht, wenn er den von einer „rostigen Vergangenheitsmentalität“ befallenen Kritikern Lindners Werk als „hoffnungsvoll schillernde Zukunftsvision“ gegenüber stellt? Herr Kuhlbrodt weiß ganz sicher nicht, wovon er spricht und nennt Andersdenkende dennoch „echte unproduktive Zeitzer Hemmschuhe“.

Zusätzliche Brisanz erhalten solche „Bewertungen“ und Aussagen, kennt man sie, die vermeintlichen „Kritiker“. Die nämlich engagieren sich ihrerseits seit Jahren und Jahrzehnten für Stadt und Umland. Ehrenamtlich, erfolgreich und erfolgreich mit über die Region hinaus wirkender Öffentlichkeit. Einer Öffentlichkeit für die Stadt, nicht für sich.

Schauen Sie sich die Publikationen rund um die Tage der Heimatkunde an, denken Sie an die Begleitprogramme zur Pflugausstellung und zur Triennale, schauen Sie sich die im Lebekzentrum entstandenen Bücher an, die Bildbände über Zeitz (wie eingangs erwähntes) oder das Lesebuch über Julius Pflug – allesamt weit über Stadt- und Landkreisgrenzen hinaus bekannte, anerkannte und viel beachtete Kulturbotschafter im besten Sinne. Andere leiten ehrenamtlich Jahrzehnte intakte Gemeinden, engagieren sich in ihrer Freizeit im Stadtrat – mehr ehrenamtliche Aktivitäten der in den Leserbriefen fahrlässig Attackierten ließen sich aufzählen, allein mir fehlt der Glaube, diese Schreiberlinge würden von so etwas wie Einsicht übermannt.

Ein derart grober und bösartiger Umgang mit Anderen lässt Einsicht kaum erwarten.

Der Leserbrief von Lutz Grumbach trifft es.
Wer lebt eigentlich in „vernebelnden Denkmustern“, wenn er Anderen eine „rostige Vergangenheitsmentalität“ vorwirft und dabei nicht einmal erkennt, dass sich selbst Roland Lindner in der Stele „Zukunft Zeitz“ der Vergangenheit – besser in der Geschichte bedient, obwohl er doch „im Hier und Jetzt lebt“? (wie übrigens jene beschimpften Kritiker auch). Die Stele nämlich zeigt eine geschichtsträchtige Silhouette der Stadt: den Rathausturm, die Moritzburg, den Giebel der Franziskanerklosterkirche… . Ich weiß, ich lese das sicher falsch: „das hochgebogene ZZ befreie sich aus alten Mustern…“. Dazu und zur „hoffnungsvoll schillernde Zukunftsvision“ gehören dann wohl auch bösartige Leserbriefe, um Andersdenkende zu verunglimpfen, einzuschüchtern oder was auch immer damit beabsichtigt ist.

Goethe nochmal:
Genieße mäßig Füll und Segen,
Vernunft sei überall zugegen,
Wo Leben sich des Lebens freut.
Dann ist Vergangenheit beständig,
Das Künftige voraus lebendig,
Der Augenblick ist Ewigkeit.

Demnächst in KulturZeitz

„Wenn’s mal wieder brenzlig wird“

Eine etwas andere Buchlesung mit Peter Dunsch „Wenn’s mal wieder brenzlig wird“ – so heißt das Buch, mit dem Autor und Karikaturist Peter Dunsch im April in der Stadtbibliothek zu Gast ist. Der Autor, 1947 in Leuna geboren, wohnte von 1957 bis 1971 in Zeitz. Nach rund 20 Jahren Feuerwehr- und weiteren 20 Jahren Polizeidienst …

Mehr erfahren »


Stadtbibliothek Martin Luther,

Michaeliskirchhof 8

Zeitz,

Sachsen-Anhalt

06712

Deutschland


+ Google Karte

Filmabend mit Bud und Terence

Filmabend mit zwei bärenstarken Typen „Zwei Bärenstarke Typen“, mit Bud Spencerder und Terence Hill. Der amüsante und gleichermaßen rasante Film aus den 80er Jahren gehört zu den beliebtesten Filmen der beiden Draufgänger. Der Kleine Rahmen heißt alle herzlich willkommen, sich noch einmal von dieser Komödie um Geheimagenten und allerlei Verstrickungen unterhalten zu lassen. Es wird …

Mehr erfahren »


Kleiner Rahmen,

Freiheit 19

Zeitz,

Sachsen-Anhalt

06712

Deutschland


+ Google Karte

Veräppelt-Das Schneewittchenkomplott

PREMIERE: VERÄPPELT – DAS SCHNEEWITTCHENKOMPLOTT – AMuThea Wer kennt es nicht, das Märchen vom braven Schneewittchen und der bösen, eitlen Königin? Aber – hat sich diese Geschichte denn wirklich so zugetragen? War es die Königin, die versucht hat, Schneewittchen aus dem Weg zu räumen? Und was haben Rapunzel und Rumpelstilzchen mit der Sache zu tun? …

Mehr erfahren »


Neues Theater Zeitz,

Steinsgraben 16

Zeitz,

Sachsen-Anhalt

06712

Deutschland


+ Google Karte

Walpurgisnachtspektakel in Bockwitz!

Bockwitz bei Zeitz feiert am 30. April wieder sein feuriges Hexenevent Das Areal rund um die Musikkneipe Seh-Song und die Kulturscheune in Bockwitz bei Zeitz wird ab 19.00 Uhr wieder zum Mekka für alle Partyhexen und teuflischen Nachtgestalten. Im liebevoll gestalteten Festgelände lädt das Team um Bernd Christen dann wieder zahlreiche Besucher ein, bei der …

Mehr erfahren »


SehSong Bockwitz,

Stockhausener Weg 1

Zeitz OT Bockwitz,

06712


+ Google Karte

HEIMAT IM KRIEG 1914/1918

Spurensuche in Sachsen-Anhalt Die 17. Station der Wanderausstellung ist das Museum Schloss Moritzburg. Auf der Spurensuche finden sich auch solche wie diese in Zeitz. Die 21-jährige Pfarrerstochter Tutti Begrich aus Heuckewalde nahe Zeitz schreibt am 15. August 1914 in ihr Tagbuch: „Heute ist Hans in Gera, um sich als Kriegsfreiwilliger zu melden. Die andere Geschcihte …

Mehr erfahren »


Museum Schloss Moritzburg,

Schlossstraße 6

Zeitz,

Sachsen-Anhalt

06712

Deutschland


+ Google Karte

Effie Briest

Nach Theodor Fontane. In einer Fassung für das Neue Theater Zeitz Gerade einmal 17 Jahre alt ist Effi, als sie nach einer unbeschwerten Kindheit von ihren Eltern mit dem um mehr als 20 Jahre älteren Baron von Innstetten verheiratet wird. Innstetten, ein steifer und eher gefühlsarmer Mann, hatte einst in seinen jungen Jahren Effis Mutter …

Mehr erfahren »


Neues Theater Zeitz,

Steinsgraben 16

Zeitz,

Sachsen-Anhalt

06712

Deutschland


+ Google Karte


8€ – 18€

ZeitzOnline ist gelistet bei: Blogverzeichnis - Bloggerei.de

Source: zeitzonline.de